Lehrerreise nach Togo 2018

In den Faschingsferien 2018 war eine Gruppe von Lehrern unserer Schule zu Besuch bei der Partnerschule in Togo. Ihr Bericht findet sich -> hier.

Togo-Abend

Am 25.1.17 berichteten die Togo-Fahrer ausführlich in der Aula von dem Projekt und ihrer Begegnungsfahrt. Ein Bericht dazu findet sich ->hier.

Begegnungsreise nach Lomé/Togo im Herbst 2016

Am 22.Oktober startete eine Gruppe von neun Schülerinnen und Schülern der 12. Klasse des EHG mit zwei Lehrern zu einer zweiwöchigen Projektreise nach Togo. Ziel der Reise war es, eine Begegnung mit der Abschlussklasse der Schule „Mon–Devoir“ (-> mehr: Schulportrait) in Agoè-Zongo, einem Armenviertel am nördlichen Rand der Hauptstadt Lomé durchzuführen. Inhaltlich hatte die Reise drei Schwerpunkte:

  • Gemeinsame Beschäftigung mit Fragen der Ernährung in Afrika und Europa
  • Erarbeiten von Theaterszenen für eine Aufführung am „Tag der offenen Tür“ der togoischen Schule
  • Eine Exkursion in die Kaffeeregion „Plateaux“ 100 km nördlich von Lomé

Beide Schülergruppen hatten die Begegnung ausführlich vorbereitet (-> pdf flyer)

Am Anfang der Begegnung stand eine Führung durch den Kindergarten, die Grundschule und das Gymnasium.
Beim anschließenden Rundgang durch das Quartier und einem Besuch auf dem nahe gelegenen Markt bekamen gemischte Gruppen von je 3 Teilnehmern die Aufgabe, Marktfrauen und ihre Verkaufsstände im Interview sowie mit Fotos zu portraitieren. Dabei wuchs die Projektgruppe schnell zu einem Team zusammen.

Begegnung mit einer neuen Welt

Kurz bevor wir den Computerraum betraten, wo unsere Partner auf uns warteten, machte sich bei uns eine leichte Aufregung breit. Einige von uns hatten schon vor der Reise mit ein paar Schülern von Mon Devoir Kontakt gehabt, trotzdem waren wir natürlich sehr gespannt. Dann wurden wir von 19 Schülern angestarrt und wir starrten zurück.

Die ersten Kontakte waren schnell geknüpft und schon bald lachte man zusammen, erzählte von seiner Familie oder diskutierte über die Zukunft. Die wahnsinnige Offenheit und Aufgeschlossenheit der Schüler hat uns alle sehr beeindruckt. Es ist etwas ganz Besonderes, so viel über Menschen aus einem anderen Land zu erfahren. Ein Mal saßen wir als gesamte Gruppe zusammen und haben uns einfach gegenseitig Fragen gestellt. Wir haben über die politische Situation gesprochen, über die Infrastruktur, über Hochzeiten, ... Ich denke, jeder von uns hat aber auch sehr persönliche Gespräche mit einzelnen Schülern geführt.
Natürlich sind unsere Mentalitäten verschieden (wir konnten uns einfach nicht daran gewöhnen, ständig Fotos zu machen), aber letztendlich war auch genau das das Tolle an dieser Reise. Wir durften Einblick in eine Welt haben, die wir nicht kannten und haben Menschen kennengelernt, die uns alle in einer gewissen Weise geprägt haben.

Nach dem tränenreichen Abschied, flogen wir wieder nach Stuttgart. Aber mit kleinen Andenken und schönen Erinnerungen in der Tasche.

Katrin Dorfs

Die Portraits wurden anschließend im Computerraum der Schule dokumentiert. Die Arbeit mit Präsentationsprogrammen war für die togoischen Gastgeber neu. Diese hatten ihren Gästen aber zuvor den Zugang zu den Verkäuferinnen auf dem Markt geebnet. So konnten beide Seiten voneinander profitieren.
Vertieft werden konnten die Erfahrungen bei einer Exkursion auf den Markt der nahegelegenen Kleinstadt Aného.

Ausflug nach Aného

Ein Tag, den wir in Togo verbracht haben, wird uns allen wohl lange in Erinnerung bleiben: Unser dritter Tag in Togo und gleichzeitig der zweite, den wir mit den togoischen Schülern verbrachten.
Nach eineinhalb Tagen Arbeit an unserem „Ernährungsprojekt“ war es Zeit für einen ersten gemeinsamen Ausflug: es ging nach Aného, in die frühere Hauptstadt des Landes.
In Aného angekommen, waren wir alle sehr gespannt auf die geplante Audienz beim dortigen König.
Wir durften jede Frage stellen (unter der Bedingung, dass man aufsteht, sollte man den König ansprechen) und danach gab es sogar noch Zeit für Gruppenbilder.
Was uns aber glaube ich am besten gefiel, war der Markt.
Es war laut, bunt und vielfältig, von Stoffen über Medikamente bis zu lebendigen Krebsen gab es alles zu kaufen.
Unsere Gruppe war vor allem von den Stoffen angetan, von denen einer wirklich schöner als der andere war. Die Verkäufer waren natürlich nicht dumm und wollten uns als Ausländern einen höheren Preis abknöpfen, was die Togoer aber zu verhindern wussten. Alle riefen durcheinander, zeigten sich Stoffe und verhandelten. Anschließen standen wir eine geschlagene halbe Stunde auf dem Markt herum und haben Gruppenfotos gemacht. Jeder wollte ein Bild mit jedem, 30 Minuten Dauergrinsen!
Geschafft von der Hitze und dem anstrengenden Tag hatten wir uns eigentlich auf eine ruhige Busfahrt zurück nach Lomé gefreut, aber weit gefehlt: Der Busfahrer hat laut Musik angemacht, Partybeleuchtung angeschaltet  und es wurde die ganze Fahrt über getanzt!

Dieser Tag hat unsere Gruppe sehr zusammengeschweißt und gezeigt, dass wir uns alle gegenseitig helfen können, und das war meiner Meinung nach eine wertvolle Erfahrung für alle.

Nora Frank

Zurück in Agoè-Zongo wurden die Stoffe zur Schneiderin gebracht, damit bis zum großen Festtag der Schule, dem „Jour de la porte ouverte“, bei dem der Erweiterungsbau eingeweiht werden sollte, schöne Kleider genäht werden konnten.

Das Lebensmittelthema wurde auch praktisch erlebt. Markteinkäufe und die Zubereitung des afrikanischen Gerichtes Foufou mit Gemüse und selbst hergestelltem Tomatenpüree. Gekocht wurde am Holzkohlenfeuer im Freien.

Kochen bei Kondo

Ein ganz besonderer Tag war für uns auch der vierte gemeinsame Projekttag, an dem wir alle gemeinsam bei Kondo, dem Grundschulleiter gekocht haben. Aus den zuvor auf dem Markt in Zongo gekauften Lebensmitteln bereiteten wir Foufou, einen Brei aus Yams und Maniok mit einer Tomaten-Fisch-Soße vor. Was mir auffiel und was ich angenehm fand war, dass wir dieses Mal nicht diejenigen waren, die Geschenke aus Deutschland mitbrachten, Süßigkeiten an die Kleineren verteilten oder unser Wissen im Umgang mit Computern weiter gaben, nein, diesmal waren wir die Unwissenden. Aber anstatt uns daran zu hindern mitzuhelfen, zeigte man uns geduldig jeden Schritt und wie man mit jedem Werkzeug umging.
Der Hof von Kondo, ein ummauerter Bereich von ca. 100 qm mit Lehmboden, ohne Eingangstür oder Überdachung war in verschiedene Stationen aufgeteilt, an denen unterschiedliche Schritte durchgeführt wurden.
Zum einen gab es eine Steinplatte auf dem Boden, auf der man mit einem anderen Stein Tomaten, Peperoni, Knoblauch und Zwiebeln so zermalmte, dass daraus eine Sauce entstand. Jeder von uns durfte sich auch einmal daran versuchen, aber es war weitaus schwieriger als gedacht. Die Sauce wollte einfach nicht auf der Steinplatte bleiben und die Tomaten wurden auch nicht zu einer stückchenfreien Sauce wie gewollt. Fiel doch mal etwas auf den Boden, kein Problem, der gröbste Dreck wurde einfach mit der Hand abgewischt und ab, zurück in den Topf.
Zweitens gab es eine „Station“, an der das Foufou präpariert wurde. Dafür gab es eine große Schüssel aus Holz und zwei dazu passende Stößel. Die gekochten Yamsstücke wurden in diese Schüssel gefüllt und mit enormer Kraft wurde dann von zwei Seiten, immer abwechselnd auf die Yamswurzel eingestampft, was einen Höllenlärm verursachte, bis sich diese in eine breiige Masse veränderte. Da dieses Vorgehen viel Kraft und Ausdauer erfordert, ist dies Aufgabe der Männer.
An der letzten „Station“ wurden der Fisch und die Tomatensauce in großen Töpfen gekocht. Das Holzkohlenfeuer dafür war zuvor mit schwarzen Plastiktüten entfacht worden. Hier waren verschiedene ältere Frauen beteiligt, die mit hoher Effizienz und Ausdauer arbeiteten, keine Bewegung war überflüssig. Gleichzeitig redeten alle in der Landessprache Ewé mit lauter Stimme durcheinander, während wir auf eine herzliche Art und Weise ausgelacht wurden, wenn wir etwas unbeholfen mithalfen.
Nach fast zwei Stunden Arbeit in der glühenden Hitze war das Essen fertig. Als wir endlich probieren konnten – mir schmeckte es ehrlich gesagt besser, als erwartet – hielten uns plötzlich wieder alle die Handys vor’s Gesicht, um Bilder zu machen.
Aber das Essen hat den Togoern ebenso wie uns unglaublich viel Spaß gemacht, und man versteht, warum gemeinsames Essen dort eine so große Bedeutung hat.
All die harte Arbeit für eine Mahlzeit und das jeden Tag! Für uns fast unvorstellbar, wenn wir uns einfach unsere Pizza in den Ofen schieben. Für mich war das eindeutig wieder ein Punkt, an dem ich gesehen habe, dass das, was ich für selbstverständlich halte nicht selbstverständlich ist und, dass das, was uns jeden Tag ohne Weiteres zur Verfügung steht, so viel mehr Wertschätzung verdient.
Eine tolle Erfahrung!

Lara Schieber

Die gemeinsamen Aktivitäten ließen die Gruppe immer besser zusammenwachsen. An den folgenden Tagen standen Proben für die Aufführungen am „Tag der offenen Tür“ im Mittelpunkt. Begrüßung, Tanz, Gepäcktransport, Hochzeit … Alltagssituationen, die auf den beiden Kontinenten unterschiedlich gelebt und erlebt werden, wurden Themen der einstudierten Szenen. Die Szenen hatten kulturelle Unterschiede im Fokus, in den Proben rückten dagegen immer mehr die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund.

Am Sonntag, den 30. Oktober wurde beim festlichen „Tag der offenen Tür“ in Anwesenheit des deutschen Botschafters und lokaler Amtsträger der Erweiterungsbau feierlich übergeben. Reden, Aufführungen und der Auftritt einer Band, zu deren Musik getanzt wurde, machten den Tag zu einem unvergesslichen Ereignis.

Schulaustausch als Entwicklungszusammenarbeit

In vielen Diskussionen wurden Fragen erörtert, wie die Entwicklung der Schule, des Quartiers und des Landes unterstützt werden kann. Begegnungen von Schüler/-innen und Lehrer/-innen aus beiden Ländern können dabei einen wichtigen Eckpfeiler bilden: die Verbesserung von Fremdsprachenkompetenz, fachlicher und organisatorischer Austausch, Unterstützung mit Schulmaterial aus Deutschland, gemeinsame Arbeit an Projekten und Erprobung moderner Unterrichtsformen, Hilfe für mittellose Familien, Diskussionen über globale Verteilungs- und Entwicklungsfragen und Perspektiven junger Menschen in einer vernetzten Welt, all dies weitet den Blick der Teilnehmenden und befähigt sie zu reflektiertem Denken und Handeln.

Durch Besuche in der Botschaft der Bundesrepublik, im neu erbauten Zementwerk der Firma Heidelberg-Zement, die der größte deutsche Investor in Togo ist, sowie bei unterschiedlichen Organisationen, die in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, konnten tiefere Einblicke in Fragen der Entwicklungspolitik gewonnen werden.

Diakonie einüben Leistungsfähigkeit fördern Innovationen angehen ganztags betreuen Christsein erfahren Offenheit zeigen Gemeinschaft erleben ganzheitlich lernen Verantwortung übernehmen