Arie Pinsker
Eva Weyl
Auch 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist es notwendig, sich an die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erinnern. Wir haben deshalb letztes Jahr mit unseren Schülerinnen und Schülern eine Reihe von Veranstaltungen besucht und für sie organisiert, um sie für dieses Thema zu sensibilisieren. Neben den jährlichen Besuchen in den Gedenkstätten Leonberg und Dachau für die Klassen 9 und 12 gab es 2025 drei weitere Veranstaltungen, auf die wir zurückblicken möchten.
27. Januar 2025
Holocaust-Gedenktag
Unter dem Titel „80 Jahre nach Auschwitz – unsere Verantwortung heute“ fand unter der Leitung der Evangelischen Landeskirche Stuttgart vom 27. bis 30. Januar 2025 im Neuen Schloss in Stuttgart eine Reihe von Gedenkveranstaltungen statt. Neben einer großen Eröffnungsveranstaltung, die der Chor des Heidehof-Gymnasiums musikalisch unterstützen durfte, fanden auch Gespräche mit Überlebenden und Zeitzeugen von Auschwitz statt.
Mehrere Klassen und Kurse unserer Schule durften bei einem solchen Gespräch zu Gast sein und Herrn Arie Pinsker (94) kennenzulernen, der als Jugendlicher mit 13 Jahren in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau kam. Als Holocaust-Überlebender berichtete er von seinen Erfahrungen, seiner Jugend und insbesondere von seiner Zeit nach Kriegsende, als er nach vielen Jahren entschied, seine Geschichte zu teilen und Aufklärungsarbeit zu leisten.
Es war für alle Beteiligten eine Begegnung, die nahe ging. Es war erneut deutlich geworden, wie wichtig es ist, anwesend zu sein, Überlebenden und Opfern der NS-Verbrechen zuzuhören und nachzufragen.
14. Juli 2025
Zeitzeugengespräch mit Frau Eva Weyl
Zum Ende des Schuljahres 2024/2025 hatten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 11 die (zunehmend seltener) werdende Gelegenheit, den Bericht einer weiteren überlebenden Zeitzeugin des Holocausts, Frau Eva Weyl, anzuhören. Frau Weyl berichtete bei ihrem Besuch an unserer Schule sehr anschaulich mit vielen Fotos von ihrer Kindheit im holländischen Durchgangslager Westerbork und davon, wie sie und ihre Familie oft nur durch unglaubliche Zufälle der Deportation in die Vernichtungslager im Osten entkamen. Die Aufmerksamkeit unserer Schülerinnen und Schüler zeigte sich unter anderem durch die Fragen, die sie im Anschluss an den Vortrag stellten. Frau Weyl appellierte abschließend sehr eindringlich an uns ZuhörerInnen, uns gegen Ausgrenzung einzusetzen, und bat uns, wie es von vielen Überlebenden des Holocausts zu hören ist: „Bleibt Mensch!“
19.-26. Juli 2025
Krakau-Studienfahrt
Die Osteuropa-Studienfahrt für die Jg1 ist eine bislang feste Institution an unserer Schule und findet in regelmäßigen Abständen statt. Zuvor oft mit dem Ziel Zips (Slowakei) und Krakau, gab es im letzten Jahr jedoch eine Neuerung, die unser Ziel, „Gegen das Vergessen“ zu wirken, noch einmal bekräftigen konnte: Wir (die Gruppe der Jg1 in Begleitung von Hr. Adelmann und Fr. Berg) besuchten die schöne Stadt Krakau und lernten vor Ort spannende Facetten der Krakauer Kultur und Geschichte kennen. Da diese Geschichte unmittelbar mit der Geschichte der Verfolgung von Jüdinnen und Juden verknüpft ist, besuchten wir das ehemalige jüdische Viertel, Synagogen, das ehemalige Ghetto sowie das Museum der Oskar-Schindler-Fabrik.
Angeschlossen an diese ersten Tage in Krakau besuchten wir für einen Tag die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Diese Exkursion war ein Erlebnis, das wir als Gruppe noch sehr lange nachbesprochen und reflektiert haben. Es war ein Ort, der mulmige Gefühle, Trauer und Fassungslosigkeit mit sich brachte. Es war ein Ort der irgendwie surreal erschien und doch als bleibender Beweis für die tiefsten Abgründe der Menschlichkeit vor uns lag. Ein Schüler sagte: „Das werde ich wahrscheinlich nie wieder vergessen.“
Neben diesen schweren Momenten war unsere Zeit in Krakau aber auch eine Zeit voller lebendiger Einblicke, voller Hoffnung und Zuversicht. Insbesondere der kulturelle Ausflug in die Lyriksammlung „Gegen den Hass“ unseres Reisebegleiters Pawel brachte uns polnische, jiddische und ukrainische Poesie und Musik über Liebe, Widerstand, Stolz und Nostalgie näher.
Geschichte kann und muss nicht nur aus Büchern gelernt werden, sondern eben auch durch Begegnungen mit Menschen, die sie erlebt haben und an Orten, die Geschichte erzählen. Gerade weil die Generation der Zeitzeugen immer kleiner wird, ist es unsere Aufgabe, ihre Erinnerungen weiterzutragen. Gerade weil wir uns in einer Welt wiederfinden, in der Menschlichkeit und Nächstenliebe immer wichtiger werden, um Hass und Intoleranz entgegenzutreten, erinnern wir auch an Frau Margot Friedländer, die am 09. Mai 2025 im Alter von 103 Jahren verstarb. Eine ihrer wichtigsten Nachrichten an jeden Einzelnen der jüngeren Generation war stets:
„Sei nicht gleichgültig. Sei ein Mensch.“
von Karina Scholz und Jana Berg